Vision
Im März 2005 haben Aufsichtsrat und Geschäftsführung am Leitbild des DMI gearbeitet. Zu Mission und Vision des DMI wurde festgehalten:
Mission
1. Wir organisieren die Ressourcen für regionale Mikrofinanzierer (Trainings, Kapital, Kapazitätsaufbau, Tools, Benchmarking)
2. Wir bieten Kapital für Kleinunternehmen über Mikrofinanzierer. Dabei gilt das Prinzip der Zweistufigkeit: Vertragspartner/innen des DMI sind immer Mikrofinanzierer, die ihrerseits mit Kreditnehmer/innen Verträge abschließen.
3. Mikrofinanzierer ist, wer akkreditiert ist.
Vision
1. Wir wollen in allen Regionen mit Mikrofinanzierern vertreten sein.
2. Ab 2007 erwirtschaftet das DMI nennenswerte Deckungsbeiträge für eine möglichst große wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Perspektiven des DMI
Skript einer Einleitung auf der DMI-Mitgliederversammlung am 8. April 2005 vom Geschäftsführer Falk Zientz
Vorbilder
Eine Kreditgenossenschaft, wie sie vor hundert Jahren Kredite vergeben hat, oder eine Sparkasse, die früher allein deshalb kaum Kreditausfälle hatte, weil man sich kannte und dadurch eine ganz reale Vertrauensbasis da war, aber auch eine soziale Kontrolle und Sanktionsmechanismen - wenn ich im Gespräch beispielsweise mit Journalisten davon zu erzählen anfange, dann fällt oft der Groschen: es geht beim DMI nicht um ein neues Förderprogramm, durch das bestimmte Zielgruppen mit mehr Geld ausgestattet werden sollen, das dann irgendwann nicht mehr vorhanden ist; es geht auch nicht um ein Produkt, das jemand bundesweit verkaufen will; sondern das DMI hat schlicht und ergreifend den Anspruch, in Deutschland eine neue Finanzierungsstruktur zu etablieren, die genau so gut funktioniert, die in sich genau so rund ist, wie seinerzeits die Sparkassen oder die Kreditgenossenschaften. Damals hat es ja auch nicht plötzlich Geld vom Himmel geregnet, sondern es war die richtige Idee da, wie in den damaligen Lebensverhältnissen Finanzierung zu organisieren ist, dass auch Menschen ohne Zugang zu den damaligen Banken an Kapital kommen. Das ist auch unsere Aufgabenstellung.
Dazu gehört ganz wesentlich die Entwicklung von Methoden. Karl Osner, der schon Jahrzehnte in Sachen Mikrofinanz international unterwegs ist, hat mir von seinem Vater erzählt, der im Südschwarzwald Sparkassendirektor war: Vor einer Kreditentscheidung an einen Hof hat er sich erst einmal in die Küche gesetzt und mit der Frau gesprochen. Die privaten Lebensverhältnisse, die soziale Einbindung hat also in der Kreditentscheidung eine ganz entscheidende Rolle gespielt. Bei Selfemployment-Unternehmen muss das meines Erachtens auch der Fall sein. Aber wir leben nicht mehr wie vor 50 Jahren im Südschwarzwald. Wir brauchen also neue Methoden, um von der Unternehmerpersönlichkeit einen möglichst umfassenden Eindruck zu bekommen, als Basis für Kreditentscheidungen.
Ein anderes Beispiel: Ich hatte in Russland mit ländlichen Kreditgenossenschaften zu tun. Wenn in einer solchen Dorfbank jemand seinen Kredit nicht zurückzahlt, dann kann er sich aus dem Dorf verabschieden, und seine Kindeskinder wahrscheinlich auch. Man kann diese soziale Kontrolle auch verurteilen, aber auf dieser Basis sind auf den Dörfern in Selbsthilfe Kreditgenossenschaften entstanden und die Dorfbewohner haben wieder Zugang zu Kapital. Wo gibt es in Deutschland soziale Strukturen, in denen Verbindlichkeit und Vertrauen herrscht, auf die man Mikrofinanzierungen aufsetzen kann? Die Antwort: "Das gibt es nicht mehr" wäre mir zu schnell, und Mikrofinanzierer in unseren Nachbarländern zeigen das.
Eine Sichtweise, wenn es um die Perspektiven des DMI geht, ist also der Blick zurück - auf Finanzierungsstrukturen, die aus der Not heraus geboren wurden, die sich aber als sehr tragfähig erwiesen, weil die Idee stimmte. Und die große Frage ist: Wie können wir daran anknüpfen?
Qualität
Das Angebot des DMI wird "Kapital für Unternehmensentwicklung in kleinen Schritten" sein - so eine Formulierung auf der Klausursitzung von Aufsichtsrat und Geschäftsführung im März. Die Kunden des DMI sind allerdings nicht die Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer, sondern regionale Mikrofinanz-Organisationen, die das DMI akkreditiert. Was wird denen das DMI anbieten?
Vor etwa zwei Jahren sind Brigitte Maas und ich durch die Lande gezogen, um für einen "Mikrofinanzfonds Deutschland" zu werben. Die Idee war, einen bundesweiten Fonds aufzulegen, der mit regionalen Mikrofinanzierern zusammen arbeitet, in der Art, dass er 80 % des Ausfallrisikos trägt, wenn die Mikrofinanzierer 20 % aufbringen. (Es gab damals ja schon einige regionale Mikrofinanzierer mit eigenen Fonds.) Aus einer etwas einseitigen Perspektive gesehen kann man das DMI vielleicht in ein paar Jahren in dieser Weise beschreiben. Aber wahrscheinlich würden wir jetzt noch immer mit dieser bloßen Idee herumlaufen, wenn nicht im Herbst 2003 Hajo Streitberger und Thomas Panzer in Hamburg das "Deutsche Mikrofinanz Institut" verkündet hätten. Das war gleich deutlich mehr als eine Fonds-Idee. Da gab es plötzlich spürbar viel Energie im Raum. Es war durch diese Verkündigung klar, dass eine umfassende Bearbeitung des Themas "Mikrofinanzierung in Deutschland" ansteht und dass eine Einrichtung aufgebaut werden soll, die dauerhaft Bestand hat.
Vor zwei Jahren war ich also der Meinung, dass es insbesondere um Kapital geht, also darum, den regionalen Mikrofinanzierern Fondsmittel zur Verfügung zu stellen. Jetzt meine ich, dass es im Wesentlichen um Qualität gehen wird. Das DMI wird sich von anderen Angeboten durch seine Qualität unterscheiden, in verschiedener Hinsicht:
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- Der Zugang für Kreditnehmer ist schnell und unbürokratisch.
- Eventuell sind manche subventionierte Produkte billiger, aber das DMI hat "faire" und nachhaltige Preise.
- Die DMI-Mikrofinanzierer zielen auf eine längerfristigere Kundenbeziehung ab, wodurch Kreditbiographien aufgebaut werden können.
- DMI-Kredite werden verantwortlich vergeben, um Verschuldungen möglichst zu vermeiden.
- Das DMI arbeitet zwar mit Sanktionen (gegenüber den Kreditnehmern und den Mikrofinanzierern) die auch durchgesetzt werden, aber sie sind transparent gemacht und erfolgen mit Ankündigung.
- Einzelne Zielgruppen werden durch Kooperationspartner besonders unterstützt, die darauf spezialisiert sind (beispielsweise bei der Finanzierung von Behinderten oder MigrantInnen).
- DMI-Mikrofinanzierer erhalten aus einer Hand / aus einem Guss alles, was sie für ihre Arbeit brauchen: Kapital, Tools und Trainings für die Kreditbetreuung, Vertragswerk, Handbuch, entwickelte Methoden und Produkte, ein bundesweites Benchmarking, um einen effektiven Mitteleinsatz nachzuweisen.
- Das DMI ist darauf spezialisiert, die regionalen Akteure einzubinden (Wirtschaftsförderung, Banken, Gründungszentren, Kammern, etc.). Gemeinsam werden für die Region maßgeschneiderte Mikrofinanzierer entwickelt.
- Das DMI macht so gute Arbeit, dass die laufende Finanzierung durch Mitglieder und Auftraggeber unproblematisch ist. (Ein Auftraggeber muss auch die öffentliche Hand sein, da das DMI auch öffentliche Aufgaben erfüllt).
- Durch die hohe Qualität des Kreditgeschäftes erhalten diejenigen Kapitalgeber, mit denen dies vereinbart wurde, eine angemessene Rendite.
Klar wird es immer irgendwelche Zuschüsse geben, die billiger sind, oder halblegale Angebote im Bahnhofsviertel, durch die man noch schneller zu Geld kommen kann, und vielleicht wird einmal eine große internationale Organisation hier in Deutschland Mikrofinanzierer auf die grüne Wiese stellen. Aber das DMI steht für langfristige und faire Partnerschaften: im Verhältnis zu den Kreditnehmern, im Verhältnis zu den regionalen Akteuren, im Verhältnis zu Kapitalgebern und im Verhältnis zu den Mikrofinanzierern. Und das wird die Grundlage für die Qualitätsführerschaft des DMI sein.
"Institut"
Noch eine dritte Perspektive des DMI - nachdem es um die Vorbilder ging und um die Qualität. Das kann an der Bezeichnung "Institut" in "DMI" deutlich werden. Institut hat eine doppelte Bedeutung: Zum einen geht es im DMI um Innovation, Entwicklung und Forschung im Sinne von einem Forschungsinstitut, zum andern ist es eine Einrichtung wie ein Finanzinstitut. Die Verbindung von beidem wird das sein, was das DMI interessant und gesellschaftlich relevant machen wird. Beispielsweise zeigen wir nicht nur auf, dass die Banken ihre volkswirtschaftlichen Funktion nicht erfüllen, indem sie sich aus KMUs herausziehen, sondern wir machen den Banken gleichzeitig ganz praktisches Angebote, wie sie sich an Mikrofinanzierungen beteiligen können. Oder: wir sind mit guten Finanzierungsprodukten am Markt und decken eine breite Nachfrage ab, gleichzeitig veranstalten wir Wettbewerbe / Forschungsprojekte, um neue Finanzierungsinstrumente zu entwickeln. Das DMI wird als Finanzierer in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik tätig sein und gleichzeitig aus der eigenen Erfahrung / aus der eigenen Anschauung heraus darstellen, wo heutzutage Arbeitsplätze entstehen, wo dicht an den Bedürfnissen gearbeitet wird und neue Märkte aufgebaut werden: nämlich ganz wesentlich in Klein- und Kleinstunternehmen.
Und in hundert Jahren wird dann vielleicht über das DMI gesagt: Was? Dieser Großkonzern hat mal als Grassroot-Bewegung angefangen? Die sind jetzt doch auch nicht anders als die anderen globalen Player. Aber früher, die ersten dreißig / vierzig Jahre, da haben die wirklich gute Arbeit gemacht. Vorher war Mikrofinanzierung in Deutschland ja ganz unbekannt. Die haben das dann erst aufgebaut. Das war eine richtige Bewegung. Das müssten wir uns eigentlich nochmals genauer anschauen, wie das damals gelaufen ist, denn irgend so etwas brauchen wir heute wieder.




